08.01.2019
Wie eine Runde Reise nach Jerusalem meine Marke wurde
1999 bin ich in ein Seminar gestolpert, in dem jeder der anderen Gruppe ein Talent verkaufen musste. Ich hatte keines. Aus dieser Verzweiflung entstand die Idee, aus der meine Marke wurde.
Über Glück und Zufall kann man viel spekulieren. Gerade bei Geld: Wer bei sich selbst nur an Erfolg durch harte Arbeit glaubt, erklärt den Erfolg anderer gern mit Glück.
Ich schlage Dir eine andere Haltung vor. Glaub daran, dass Dein Erfolg leicht sein darf. Und geh davon aus, dass alles, was Dir zufällt, mit Dir zu tun hat und Dich weiterbringt.
Eine Geschichte von 1999
Ich hatte mich spontan entschlossen, an einem zweitägigen Kurs teilzunehmen, auf den ich über eine Freundin gestoßen war. Geleitet von einem familiensystemisch arbeitenden Therapeuten.
Jeder sollte am ersten Tag einen Geldeinsatz in die Gruppe einbringen, eine Art Spielgeld. Allein das war schon herausfordernder, als man denkt. Manchen war es peinlich, dass sie kaum Bargeld dabeihatten. Andere waren stolz, viel einbringen zu können. Wieder andere diskutierten, weil sie nicht einschätzen konnten, was damit passieren würde.
Dann wurden zwei Gruppen gebildet. Eine reine Frauengruppe, und eine zweite, in der ich als einzige Frau landete. Wie so oft in meinem Beruf.
Die Aufgabe: Jeder sollte der anderen Gruppe ein Talent oder eine Leistung erfolgreich verkaufen. Erst etwas einfallen lassen, dann den Wert bestimmen, dann verkaufen.
Meine Anspannung stieg
Die anderen offenbarten großartige Talente. Sie sangen sich die Seele aus dem Leib und berührten andere zu Tränen. Sie erzählten Witze, bei denen sich alle krümmten.
Am ersten Tag konnte ich gar nichts beitragen. Am zweiten Tag stieg meine Verzweiflung. Und als ich richtig verzweifelt und ziemlich erledigt war und schon überlegte, wie ich mich elegant herausziehen könnte, kam mir der Gedanke: Am liebsten würde ich einfach etwas spielen. Etwas, wo ich nichts beweisen muss und jeder mitmachen kann.
Stühle und Musik waren da. Reise nach Jerusalem.
Als ich das in meiner Runde vortrug und ankündigte, es der anderen Gruppe für 80 Mark zu verkaufen, hielten sie mich für verrückt. Mitmachen wollten alle. So viel Geld dafür geben, niemand.
Ich dachte mir nur: Wenn es den Frauen drüben auch nur annähernd so geht wie mir, sind sie gerne dazu bereit.
Es war ein sehr kurzes Verkaufsgespräch
Kurz darauf rannten vierzehn kreischende Erwachsene um Stühle. Am Ende waren alle erheitert und zum Teil außer Atem. Ich hatte sogar gewonnen, aber das war egal. Was blieb, war das Erlebnis. Wie oft darf man als Erwachsener so kindisch sein?
Nach dem Seminar rief mich der Kursleiter an und fragte, ob ich eine Ausbildung zum systemischen Coach machen wolle. Meine Ausrichtung in der Finanzbranche würde das gut ergänzen. Er selbst habe eine so schlechte Beziehung zu Geld, dass er garantiert nie wieder ein solches Seminar leiten wolle.
Der Rest ist Geschichte. Beziehungsweise meine Marke Geldbeziehung.
Was ich daraus mitgenommen habe
- Aus scheinbar kleinen Zufällen kann etwas bleibend Großes entstehen.
- Gib nicht auf, wenn Du zweifelst. Genau dann tauchen oft die besten Ideen auf.
- Unterschätze einfache Ideen nicht. Die einfachsten sind oft die besten.
- Denk weniger nach, leg schneller los, spiel mehr.
Drei Tugenden einer Geldheldin
Folge Deiner Freude. Geld fließt in gemeinsamer Freude und Wertschätzung leichter. Durch Ernst und Anstrengung wird es anstrengender.
Erlaube Dir, großzügiger zu sein. Dir selbst und anderen gegenüber. Großzügiger wird Geld durch gelebte Großzügigkeit.
Spiel. Experimentiere, probiere mehr aus, trau Dich und mach das, wozu Du Lust hast.
Der schönste Teil kommt zum Schluss
Wir hatten in der Gruppe beschlossen, am Ende nicht die ursprünglichen Einsätze zurückzugeben, sondern das Geld gleichmäßig zu verteilen. Die Männer hatten durchweg mit deutlich mehr Geld im Topf mitgespielt. So machte ich einen guten Gewinn, obwohl ich in der Verlierergruppe war.
Und der eigentliche Gewinn war: Es hat sich für alle gut angefühlt. Für die Verlierer war es genauso erfüllend, andere zu bereichern, wie für die Gewinner, sich über den Gewinn zu freuen. Manche waren richtig gerührt.
Geld ist das, was wir daraus machen. Lasst uns gemeinsam das Beste und Freudvollste daraus machen.
Diese Geschichte geht weiter
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