27.09.2015
Mach's Dir passend
Jahrelang hatte ich ein großes Vorratsregal im Keller. Und ich kaufte teure Kleidung bewusst eine Nummer zu groß. Beides hatte denselben Grund, und der hatte nichts mit mir zu tun.
Manche Gewohnheiten sehen nach Vernunft aus und sind in Wahrheit alte Angst.
Das Vorratsregal
Jahrelang hatte ich ein großes Vorratsregal im Keller. Immer voll. Immer für den Fall der Fälle.
Irgendwann habe ich verstanden, woher das kam. Es war nicht meine Angst. Es war die meiner Großeltern, aus einer Zeit, in der die Vorratskammer über das Durchkommen entschied.
Und dasselbe Muster beim Kleiderkauf
Teure Stücke habe ich bewusst zu groß gekauft. Für den Fall, dass ich irgendwann zunehme.
Auch das kam von woanders her. Aus einer Kindheit in einem kleinen Dorf, wo es als ausgemacht galt, dass eine Frau nach der Heirat zunimmt.
Ich habe also jahrelang Kleidung für eine Frau gekauft, die ich vielleicht einmal sein würde. Nicht für die, die ich war.
Das Dirndl
Dann habe ich mir ein Dirndl maßschneidern lassen. Nicht für eine hypothetische Zukunft, sondern für meine tatsächliche Gestalt.
Die Schneiderin musste am Ende vier Zentimeter abnehmen. Vier.
In dem Moment ist mir etwas aufgegangen: Ich halte mein Wohlfühlgewicht seit zehn Jahren. Die ganze Vorsorge war für nichts.
Worum es eigentlich geht
Nicht zu lange vorauszudenken.
Wo planst Du für eine Zukunft, die es so gar nicht geben wird? Wo hältst Du etwas in Reserve, das Du nie brauchen wirst?
Das gilt für Vorratsregale, für Kleidergrößen und ganz besonders für Geld.
Mach es Dir passend. Jetzt.
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