31.03.2020
Helfen ist schön. Umsonst helfen ist gefährlich
Viele fühlen sich geliebt für ihr selbstloses Tun. Genau das kann finanziell gefährlich werden. Über Helfersyndrom, echte Solidarität und die Frage, ob Du gerade eher geben oder annehmen üben solltest.
Sorgst Du gut für Dich und für Deine gute Bezahlung?
Es ist wohl ein weibliches Prinzip, gern zu helfen und dafür zu sorgen, dass es allen in der Gemeinschaft gut geht. Es ist aber auch eine Prägung, wenn dabei die eigene Bezahlung unwichtig wird. Viele fühlen sich geliebt und geschätzt für ihr selbstloses Tun. Genau das kann in unsicheren Zeiten zum Verhängnis werden.
Du solltest Dich in guten wie in schlechten Zeiten um Dein finanzielles Fundament kümmern. Denn nur dann hast Du genug zu geben, ohne Dich selbst zu gefährden.
Ein Helfersyndrom geht über den Verstand hinaus
Dadurch hilfst Du sogar dann noch, wenn Du selbst Unterstützung bräuchtest. Doch die gestehst Du Dir gar nicht erst zu, weil es anderen ja noch schlechter geht. Oder es ist Dir peinlich, danach zu fragen.
Das sehe ich besonders oft bei Selbstständigen. Und ich halte es für falsch verstandene Solidarität.
Was ist gesunde Solidarität?
Heißt solidarisch, dass jetzt alle überall umsonst helfen? Oder heißt es, dass jede und jeder das gibt, was sie oder er zu geben hat?
Im ersten Fall unterbrechen wir genau den finanziellen Austausch, der gerade gebraucht wird.
Im zweiten Fall fördern wir stimmigen Austausch und eine Gemeinschaft, in der alle wachsen. Die einen erfahren Entlastung, die anderen wachsen durch mehr Großzügigkeit in ihre Größe.
Wir brauchen nicht mehr Geld. Wir brauchen mehr Ausgleich. Das Problem ist kein Geldmangel, sondern die Ungleichverteilung.
Ein Beispiel aus dem Alltag
In einem regionalen Supermarkt haben ehrenamtliche Helfer die leeren Regale eingeräumt. Um zu helfen und etwas zurückzugeben.
Dabei stand dieser Laden finanziell stabil, hatte als eines der wenigen Geschäfte geöffnet und machte mehr Umsatz als sonst. Er hätte zusätzliche Nebenjobs anbieten können, für die gerade viele dankbar gewesen wären.
So unterbindet gut gemeinte Hilfe den gesunden finanziellen Austausch.
Fünf Fragen, die Du Dir in Ruhe stellen solltest
Standortbestimmung. Wo stehst Du selbst gerade finanziell? Viele glauben, keine Unterstützung annehmen zu dürfen, weil es anderen schlechter geht. Das war schon immer der schlechteste Maßstab.
Geben oder annehmen. Was kannst Du wirklich gut geben? Was solltest Du annehmen? Wo wünschst Du Dir selbst Unterstützung?
Wahre Motive. Handelst Du aus Angst, aus Helfersyndrom, aus Anpassung? Oder aus Freude und Überzeugung?
Gesunde Absicht. Wie würdest Du handeln, wenn Du frei wärst von Angst und vom Wunsch nach Anerkennung?
Fairness. Wenn jede Künstlerin, jeder Referent und jeder Coach die eigene Leistung kostenlos ins Netz stellt, weil gerade nichts anderes geht, dann ist das Selbstausbeutung. Bisher wurde ja auch für jeden Auftritt bezahlt.
Die Not anderer nicht ausnutzen
Das ist ein guter Gedanke, der oft falsch verstanden wird.
Natürlich gibt es ausbeuterische Menschen. Doch was hat das mit Dir zu tun? Und es ist auch nicht verwerflich, dass manche in einer Krise gewinnen statt verlieren. Während Gastronomen um ihre Existenz bangen, verdient die Apotheke im Ort mehr denn je. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach so.
Wenn Du denkst, dass Du andere nicht ausnutzen darfst, hast Du sehr wahrscheinlich eine gesunde Ethik. Das sollte Dich nur nicht davon abhalten, Geld zu verlangen und dazu zu stehen.
Was ich Dir ans Herz lege
- Erlöse Dein schlechtes Gewissen.
- Gib das, was Du gibst, von Herzen.
- Verlange Geld.
Du kannst nicht die Welt retten. Kümmere Dich um Dich, damit Du stabil bleibst und dadurch eine starke Säule für andere bist. Das hilft uns allen am meisten.
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