08.06.2015
Annehmen können ist die schwerere Hälfte
Warum muss es immer schwer gehen, wenn es auch leichter sein könnte? Und warum muss jede allein durch schwere Zeiten, wenn es gemeinsam viel leichter ginge?
Ich habe einmal einen Topf eröffnet. Die Idee: Frauen in Umbruchsituationen, in denen das Geld gerade knapp ist, den nächsten Schritt zu ermöglichen. Nach einer Kinderpause, nach einer Krankheit, nach ungeplanten Überraschungen.
Bis dahin war ich in solchen Fällen selbst in Vorleistung gegangen. Das geht, aber nur in Einzelfällen.
Zwei Fragen haben mich dabei umgetrieben:
- Warum muss es immer schwer gehen, wenn es auch leichter sein könnte?
- Warum muss jede allein durch schwere Zeiten, wenn es gemeinsam viel leichter ginge?
Wie es gedacht war
Wer die Idee unterstützen will, finanziert mit einem Betrag eine Begleitung für eine andere Frau. Gegen Rechnung, und wenn beide wollen, mit persönlichem Kontakt.
Die Empfängerin kommt sofort in den Genuss, frei von Schuld oder Scham. Und sie kann aus freien Stücken zurückzahlen. Dann steht das Geld direkt für die Nächste bereit.
Ich habe übrigens in all den Jahren jede Rechnung bezahlt bekommen. Immer freiwillig. Selbst dort, wo ich die Leistung geschenkt hatte, haben Frauen Jahre später angerufen und um eine Rechnung gebeten. Voller Stolz.
Was ich dabei gelernt habe
Der Topf hat mir weniger über Geld beigebracht als über das Annehmen.
Annehmen ist Liebe. Annehmen ist Heilung. Nur wer annehmen kann, hat genug zu geben.
Alles aus eigener Kraft zu schaffen und sich dieses Können zu beweisen, ist ein würdevoller Anspruch. Aber es ist genauso würdevoll, Unterstützung anzunehmen.
Natürlich ginge es auch allein. Nur wozu? Um es sich selbst zu beweisen? Um es sich freiwillig schwerer zu machen, als es sein müsste?
Und noch etwas
Mein Bruder hat einmal zu mir gesagt: Bis die Welt so ist, wie Du sie siehst, muss sie neu geboren werden.
Damals klang das hoffnungslos. Heute würde ich entspannt sagen: Er hat recht. Na und?
Wenn man anfängt, wirklich das zu sein, was man im Innersten ist, bringt man sich schließlich auch neu zur Welt. Und das beginnt damit, dass jemand da ist, der an einen glaubt.
Diese Geschichte geht weiter
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